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  • Rutte und von der Leyen – die lächelnden Totengräber Europas

    von Jürgen Wertheimer

    https://www.nato.int/en/news-and-events/articles/news/2024/10/29/meeting-between-nato-secretary-general-mark-rutte-and-president-of-the-european-commission-ursula-von-der-leyen

    Wenn geschmeidiges Lächeln Probleme lösen könnte, stünde Europa längst auf der Siegerstraße. Einnehmendes Lächeln, wem immer man gegenübertritt, gleich ob Ex-Taliban-Führer oder dubiose Migrationspaktierer, immer nur Lächeln. Und ein ganz großes Lächeln natürlich für den tapferen UKR-Anführer Selensky, den man umarmt wie ein einen Bruder im Geiste.

    Ist er es denn? Nun an die Brust der EU wird man ihn im Eilverfahren ziehen. Und wenn die Verursacherin, die Dame  von der Leyen, längst in den ewigen Jagdgründen der Politik verschwunden sein wird, wird die Frucht, der Fluch dieser kühnen Entscheidung aufgehen.

    Eine UKR, die sich im Propkrustesbett der EU-Verordnungen alles andere als wohl fühlt. Eine EU, die sich dem Druck der rebellischen Russlandbezwinger nicht gewachsen fühlt. Ein Russland, dass gedemütigt lauert.

    Das alles, weil man sich nun durchgerungen hat, aufs Ganze zu gehen, ohne die Folgen zu bedenken. Man wird die UKR so lange mit Waffen vollstopfen bis selbst Selensky das Betteln vergeht und Moskau brennt. 

    Und dann? Zerfällt eine EU in Stücke – wie modrige Pilze. Im Inneren der UKR wird es nach wie vor gären und man wird ratloser vor den Problemen stehen denn je.

    Aber der Rausch, der Sog, Stärke zu zeigen ist offenbar eine Art Droge. Und seit Rheinmetall und Konsorten mit guten Gründen mit im Boot sitzen, gibt es kein Halten mehr. Jedes Nachdenken über einen dritten Weg, einen Weg der Autonomie statt der Zugehörigkeit zu einem Block, ist tabu.

    Denkverbot. Brandmauer. End of discussion. End of Europe.

  • Rutte und der Ärger des Morgens 

    von Jürgen Wertheimer 

    https://www.tagesschau.de/ausland/rutte-nato-generalsekretaer-bilanz-100.html

    Gottlob ist es nur eine Redensart, wenn man davon spricht, das Messer würde einem vor Wut „in der Tasche aufgehen“. Wenn dem wirklich so wäre, hätte ich mir in jüngster Zeit mehrere Schnittwunden im Oberschenkelbereich zugezogen. Nämlich immer dann, wenn NATO Generalsekretär und Trumpversteher Rutte auftaucht und mit beflissenem Oberkellnerlächeln eine politische Torheit nach der anderen serviert.

    Zuletzt präsentierte er dem Präsidenten ein goldgerahmtes Schaubild mit dicken Balken europäischer Waffenkäufe – vorwiegend in den USA. Stolz wie ein Musterschüler, der seinem Lehrer imponieren will, indem er dessen senile Dämlichkeiten pflichtschuldig wiederholt. Es ist kein gutes Zeichen für die innere Befindlichkeit der NATO, sich in kritischer Zeit einen eitlen Opportunisten wie ihn an der Spitze zu leisten.

    Einen Teflontypen, der das Prinzip der Unterwerfung perfektioniert hat und Europa – waffenstarrend – mental zur Plünderung freigibt.

    Ich weiß nur eines: Mit geschmeidigem Uns-Heranwinseln kommen wir nicht weiter. Wenn es uns an Mut fehlt und wir nicht fähig sind, Trump die kalte Schulter zu zeigen, wird er uns immer in der Hand haben und als wohlfeile Manövriermasse betrachten. Wir haben dann nichts Besseres verdient.

  • Cassandra Calling

    von Jürgen Wertheimer 

    Der antiillusionäre, hyperrealistische Ansatz des Cassandra Projekts konzentriert sich deshalb genau auf diese Phase, auf das Vorfeld, die Zeit, in der sich Konflikte langsam aufbauen, vorbereiten. Die Phase, in der es noch nicht brennt. Wir neigen leider häufig dazu, uns in dieser Zeit blind zu stellen und reagieren notorisch erst dann, wenn es fast zu spät ist.

    Beispiel Ukraine; als Putin losschlug waren alle alarmiert und einmal mehr überrascht, so als ob man die 8 Jahre zwischen den Aufständen auf dem Maidan und dem Angriff produktiv hätte nutzen können, ja MÜSSEN! Die Phase als sich etwas zusammenzubrauen begann, Geschichte entstand. Jetzt verhallen Friedensappelle ungehört – damals, in der Latenzphase hätte der geballte Einsatz diplomatischer, politischer, ökonomischer Mittel zumindest das Risiko der Eskalation mindern können.

    Sie werden sagen: Zu spät – aber was kann man jetzt tun? Was kann man in der Zukunft und für die Zukunft tun? Bleiben wir beim Beispiel -RUS – UKR.

    Nun, wenn man das wahrhaft toxische Verhältnis, das Russland und die Ukraine seit Jahrhunderten verbindet, ernst nimmt, käme man im Angesicht dieses verheerenden Krieges nicht drauf, für die Zeit danach bereits jetzt die simpelste und gefährlichste mögliche Lösung für einen Neubeginn einzuleiten: eine überstürzte Aufnahme der Ukraine in die EU. Ganz so als ob die Wirklichkeit sich durch einen Verwaltungsakt außer Kraft setzen ließe. Die Wirklichkeit heißt: ein über Jahrhunderte aufgebauter, aus dem Widerstand gegen Russland gewachsener extrem ausgeprägter Nationalismus. Und ein nicht minder starkes Dominanzgefühl Russlands, das die Ukraine stets als Trabanten Russlands sah. Puschkin brachte es auf die hochmütige Formel:„Alle Slawenbäche fließen vereint ins große Russenmeer“.

    Wenn das geschieht, was jetzt eingeleitet wurde, werden in fünf oder sechs Jahren, wenn alle Entscheider längst nicht mehr in ihren Ämtern sind, die Konsequenzen zu tragen sein. Eine Ukraine, die sich gegen die Zumutungen des Westens verwahrt. Ein Russland, dem man ein Kernstück seiner Identität geraubt hat. Ist man wirklich so naiv, diesen neuen Konflikt nicht voraussehen zu wollen?

    Das Fallbeil der Zugehörigkeit oder des Nicht-Dazu-Gehörens war immer schon ein riskantes Instrument. In der Regel generiert man damit Konflikte, statt sie aufzulösen.

    Seit Jahrhunderten erprobt die Kultur die Kunst der Übergänge, spiegelt kulturelle Pluriidentität. Doch entgegen diesen konkreten lebensweltlichen Erfahrungen schafft man „Eindeutigkeit“. Eindeutigkeit an Stellen, die durch Mehrdeutigkeit gekennzeichnet sind … Übergangszonen, Bruchstellen, Vermischungsgebiete …. Wann wird Europa begreifen, dass es ein hybrider Kontinent ist, ein fragiles Patchwork-Gebilde?

    Ein permanenter, offener Verhandlungsraum, – Gestaltungsraum – mit dem Spezialgebiet: Vereinbarkeit des Unvereinbaren?

    Nicht so:

    https://www.presseportal.de/pm/6348/3623404

    Sondern so funktioniert Europa:

    https://artdokuhali.com/en/blogs/halilar/patchwork-rugs-details?srsltid=AfmBOor1v0uaADI0vqrZ0L-78rRkny_0YKyQ0ljRLe3OeJ9YV-mHouo2

  • How to End a War

    von Jürgen Wertheimer

    „Können wir Krieg?“ , „Sind wir Kriegstüchtig“, ist dies „der letzte Sommer im Frieden?“ Mit einem mal sind sie da. Diese Sätze, die künftige Kriege nicht nur prognostizieren, sondern auch vorbereiten. In Ihrem Gefolge fließen Milliarden in Rüstung. Dabei weiß jeder: Waffen wollen letztendlich verwendet werden.

    Ceasefire, Waffenstillstand ist alles worauf man noch hofft.

    Auch hier ist der Meister zu zitieren: Trump über den Nahen Osten: „Dort heißt Waffenruhe, dass man weniger heftig schießt.”

    Ich fürchte, er hat mit dieser für seine Verhältnisse geradezu differenzierten Aussage nicht ganz Unrecht. Wenn nicht alles täuscht, werden wir uns nicht nur im nahen Osten, sondern weltweit an diesen Zustand gewöhnen müssen. Der Zustand, der bestand, bevor die großen warlords glaubten eingreifen zu müssen. Niemand kann damit glücklich und zufrieden sein, das ist auch nicht die entscheidende Frage. Die alleinige Frage für mich ist: So lange „weniger heftig geschossen wird“, wird weniger häufig gestorben.

    Mit Annexion zu drohen ist eine Sache. Sie zu starten eine andere. Wir sollten den Zustand des “noch nicht”, auch wenn es noch so brenzlig ist, so lange wie irgend möglich bewahren. Und verhindern, dass der erste Schuss, der die Kettenreaktion in Gang setzt, überhaupt fällt.

    Wie? Dazu bald mehr.

    Der blutige Waffenrock des Thronfolgers

    https://www.mediathek.at/onlineausstellungen/der-erste-weltkrieg/der-erste-weltkrieg-ausgabe-1/sarajewo-28-juni-1914/das-attentat

  • Die letzte Annexion (Teil 2) 

    von Jürgen Wertheimer 

    Trotz dieser ernüchternden Bilanz und obwohl man erkennen kann, dass die aufgeblasenen Maulhelden im Grunde mit leeren Händen dastehen folgen wir ihnen.

    Jüngste Beispiele : Trumps Irandeal, der die Mullahs nicht nur im Amt läßt, sondern sie auch noch subventioniert.

    Oder der G7 Gipfel in Evian, in dem die Europäer zu Schmeichlern und Duckmäusern mutieren und den sichtlich zerfallenden US Präsidenten aufs Erniedrigendste zu umgarnen versuchen.

    (https://www.stern.de/lifestyle/leute/friedrich-merz-und-donald-trump–deutschlandtrikot-als-geschenk-an-praesidenten-37552258.html

    Es ist schon erstaunlich wie tief der Reflex der Unterfung unser Handeln bestimmt. Wir alle (Europäer , Amerikaner , Russen..) lassen alles mehr oder weniger reaktionslos geschehen und über uns ergehen. Gut, angesichts dieser diffusen Bilanz beginnt in den USA ein leiser Gärungsprozess, der zur Erkenntnis führen könnten, auf dem falschen Weg zu sein. In Russland ein noch leiserer. Und auch der mutige Aufstand in Teheran fand bereits statt und wurde brutal niedergeschlagen. Im Schatten der Galgen geht man natürlich in Deckung.

    Aber dass die drei Hauptverursacher, Trump, Putin und Netanyahu, nach all ihren Untaten und Verbrechen noch immer in Amt und Würden sind, sagt einiges über unsere enorme Duldsamkeit aus. Man kann uns einiges, sehr viel zumuten. Die Macht der Diktatoren resultiert aus unserer feigen Passivität.

    Auch lassen wir zu, dass sich der Mehltau des Krieges, Treibstoff jeder Annexion, allmählich wie ein Smog über uns alle legt. Wenn jeder jeden belauert und vom anderen das schlimmst Mögliche annimmt, verschieben sich alle Akzente des politischen und sozialen Lebens gravierend.

    Vor ein paar Jahren umging man das Thema Krieg noch mit spitzen Fingern, verwies auf das Völkerrecht und hielt den bloßen Gedanken an Gewalt für „ethisch bedenklich“. Jetzt wo Krieg das Thema Nr. 1 geworden ist, kräht kein Hahn mehr danach – im Gegenteil regelrechte Hahnenkämpfe finden statt und jeder will den größten haben – z.B. Deutschland „das größte konventionelle Heer in Europa“. Auch dies ohne nennenswerten Protest. Im Gegenteil, wir sehen zu wie wir uns Milliarde für Milliarde in den kommenden Krieg gegen Russland sehenden Auges hineinmanövrieren.

  • Die letzte Annexion (Teil 1)

    von Jürgen Wertheimer 

    Bevor wir – für diese Spielzeit – zu einem vorläufigen Abschluss kommen, muss die Frage sein: Was ist seit dem November, seit der ersten Veranstaltung zum Thema der „Annexion“ realiter geschehen? Was konnten wir in Echtzeit beobachten? Damals war Kanada verbalen Drohungen durch Trump ausgesetzt. Wir stellen fest:Kanada und Greenland existieren noch immer – von Annexion ist derzeit kaum mehr die Rede. Vielleicht weil sich die Kanadier reaktionsschnell massiv positionierten und zu ihrer Autonomie bekannten (Lorenz).

    Ähnlich das Verhalten im Fall Venezuela. Überfall und Entführung mit großem Aplomb: das System symbolisch enthauptet – aber kein spürbarer gesellschaftlicher Wandel.

    Kein genereller Systemwandel auch im Iran, trotz beachtlichen militärischen Einsatzes. Das Regime der Mullahs sitzt gefestigt im Sattel – Abkommen hin oder her.

    Und ob man, wie großmäulig angekündigt, Cuba auf dem Rückweg vom persischen Golf eben mal so – im Handstreich – nehmen wird, bleibt abzuwarten..

    Eigentlich eine erschütternde Bilanz.

    Noch schlechter als die vom Annexions-Kollegen Putin. Aus dessen blitzkriegsartiger Spezialoperation gegen die Ukraine ist eine perspektivlose Hängepartie geworden. Einziges Resultat: Hunderttausende vollständig sinnlos gestorbener Soldaten.

    Und: Ein sicherlich nicht beabsichtigter Nebeneffekt : ein aufgewachtes, sich zunehmend kämpferisch gebendes Europa.

    Auch aus dem von Trump ursprünglich geplanten Schnellverfahren in Sachen Befriedung ist nichts geworden. Statt 24 Stunden vergehen nun Jahre… Kein Ende der Krieges in Sicht.

    Unterm Strich also eine desaströs Bilanz der Maulhelden in Ost und West. Und damit letztlich die positive Nachricht für uns alle, die Großsprecher, nicht mehr so ernst wie bisher zu nehmen. Ihre hohlen Drohungen zu ignorieren, nicht mehr auf jede ihrer zerebralen Zuckungen zu achten — Sie buchstäblich ins Leere laufen zu lassen… Ohne unser permanentes Echo schrumpfen all diese „Führer“ und Leader auf Normalgröße zusammen…

    https://www.grossplastiken.de/site/assets/files/26731/foto-greenpeace-trump-vor-elbphilharmonie-1.jpg

  • Romanpremiere „Die Scharfseherin“ – Save the date!

    am Freitag, den 17. Juli im Schloss Hohentübingen.

  • Annexionen und Übergriffe 7

    Polen, Ungarn, Tschechien und das Baltikum – Europas labiler Osten ist fest eingespannt in die Kraftfelder zwischen Westeuropa und Russland. Länder in diesen ideologischen und kulturellen Bruchzonen unterliegen einem permanenten Stresstest. Es ist ein Ringen um Zugehörigkeit, das zu ideologischen Konflikten, separatistischen Stimmungen und toxischen Nationalismen führt.

    Wie wird Identität in diesen Grenzregionen verhandelt? Und wie sezieren Literatur und Publizistik die Schatten der Vergangenheit, um aktuelle Machtstrukturen zu verstehen?

    In dieser Matinee geht Jürgen Wertheimer diesen Fragen nach und wirft einen Blick auf die Mechanismen, die unsere europäische Nachbarschaft prägen. Zu Gast ist die preisgekrönte polnisch-deutsche Autorin und Publizistin Magdalena Parys. Als scharfsinnige Beobachterin und „Pendlerin zwischen den Welten“ – bekannt durch Romane wie „Der Magier“ und ihre Arbeit für internationale Medien – analysiert sie die aktuellen ideologischen Konflikte. Im Gespräch mit Jürgen Wertheimer geht es somit auch um die Verteidigung demokratischer Werte und die Kraft der Literatur gegen das Vergessen.

    Die Moderation des Vormittags übernimmt Dr. Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut, der die Brücke zwischen philosophischen Grundsatzfragen und realpolitischen Herausforderungen schlägt. Für die künstlerische Begleitung sorgt Wortakrobat Helge Thun, der das komplexe Thema mit gewohntem Tiefgang und einer Prise Humor flankiert.